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Reicht mein Hausanschluss? Wallbox, Wärmepumpe und Herd gleichzeitig

Martin Hartinger ·

„Reicht mein Anschluss für die Wallbox?“ ist die Frage, die wir am Telefon am häufigsten hören, gleich nach „Was kostet das?“. Die Antwort ist fast nie ein einfaches Ja oder Nein. Sie ist eine Rechnung. Hier ist sie, so einfach, wie wir sie rechnen können.

Wie viel Leistung hat mein Hausanschluss?

Der Hausanschluss ist die Leitung vom Netz zu Ihrem Haus, abgesichert mit einer Hauptsicherung. Wie groß sie ist, steht auf dem Hausanschlusskasten oder an der Hauptsicherung im Zählerschrank. Die Zahl in Ampere ist die Grenze. Für einen dreiphasigen Anschluss gilt:

Hauptsicherung Maximale Leistung (ca.) Typisch in
25 A 17 kW kleine Wohnung, sehr alte Häuser
35 A 24 kW Einfamilienhaus aus den 1960er bis 1980er-Jahren
50 A 35 kW Einfamilienhaus, saniert
63 A 43 kW Neubau seit etwa 2000, Zweifamilienhaus
80 A 55 kW Mehrfamilienhaus, Neubau mit Wärmepumpe

Das ist die Obergrenze für alles, was gleichzeitig läuft. Der Netzbetreiber garantiert diese Leistung nicht dauerhaft. Er stellt sie im Rahmen der Absicherung bereit, die Anlage muss sie sich aber teilen.

Was braucht ein Haus gleichzeitig?

Nicht alles läuft gleichzeitig. Ein Haushalt hat eine Grundlast, die ständig schwankt, und einige Großverbraucher. Unsere Rechenwerte für die Spitze, wenn alles zugleich läuft:

  • Haushalt (Licht, Geräte, Kochen leicht): 6 kW
  • Herd und Backofen voll: zusätzlich 4 kW
  • Wärmepumpe (elektrische Leistung): 5 kW
  • Heizstab der Wärmepumpe: zusätzlich 6 kW, nur bei sehr kaltem Wetter
  • Wallbox 11 kW: 11 kW
  • Durchlauferhitzer 21 kW: realistisch 12 kW bei gleichzeitiger Nutzung

Das sind Planwerte, keine Messungen. Ihr Haus kann abweichen. Aber sie reichen, um zu sehen, wo es eng wird.

Eine Beispielrechnung

Ein Einfamilienhaus von 1978 in Karlsfeld, 35 Ampere, also 24 kW. Die Familie will eine Wärmepumpe und eine Wallbox:

Verbraucher Leistung
Haushalt 6 kW
Herd, Backofen 4 kW
Wärmepumpe 5 kW
Wallbox 11 kW
Summe 26 kW

26 Kilowatt gegen 24 Kilowatt Anschluss: Es fehlen zwei. Das passiert nur im ungünstigsten Moment, zum Beispiel an einem kalten Winterabend, wenn gekocht wird und das Auto lädt. Aber es kann passieren, und dann fliegt die Hauptsicherung.

Der Netzbetreiber würde Ihnen jetzt womöglich einen größeren Hausanschluss anbieten. Der kostet einen Baukostenzuschuss, dessen Höhe im Preisblatt des Netzbetreibers steht, plus Tiefbau. Das muss aber nicht sein.

Die Lösung heißt Lastmanagement

Ein Lastmanagement sorgt dafür, dass die Wallbox nur so viel zieht, wie gerade übrig ist. Es gibt zwei Varianten:

Statisch: Die Wallbox wird fest auf einen niedrigeren Wert begrenzt, zum Beispiel auf 7 Kilowatt. Einfach, günstig, ohne Messung. Im Beispiel: 6 + 4 + 5 + 7 = 22 kW. Passt.

Dynamisch: Ein Messgerät am Hausanschluss prüft laufend, wie viel gerade verbraucht wird. Die Wallbox bekommt den Rest. Nachts, wenn niemand kocht, lädt sie mit elf, abends mit weniger. Mehrkosten: etwa 300 bis 800 Euro.

In beiden Fällen merken Sie im Alltag fast nichts. Das Auto steht ohnehin über Nacht.

Und der Paragraf 14a?

Zusätzlich gilt seit 2024 der Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz: Wallboxen und Wärmepumpen mit mehr als 4,2 Kilowatt sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber darf bei Netzengpässen drosseln, aber nie unter 4,2 Kilowatt. Das ist eine Netzthematik, kein Hausanschlussthema. Für Sie kommt es zum Lastmanagement dazu, es ersetzt es nicht.

Wann ist ein größerer Hausanschluss die richtige Antwort?

Selten, aber es gibt Fälle:

  • Sie haben Wärmepumpe, Wallbox, Durchlauferhitzer, Sauna und Pool und wollen alles gleichzeitig nutzen.
  • Sie vermieten das Haus in Wohneinheiten, die einzeln heizen und kochen.
  • Sie planen einen zweiten Wallbox-Ladepunkt für eine Gemeinschaft.

In diesen Fällen sprechen wir mit Ihnen über eine Anschlusserhöhung. Das Gespräch mit dem Netzbetreiber führen wir als Elektrobetrieb für Sie.

Selbst prüfen

Auf dieser Website steht ein Lastcheck, in dem Sie Ihre Verbraucher anklicken und sehen, wo Ihr Anschluss steht. Er ersetzt keine Prüfung vor Ort, aber er zeigt in einer Minute, ob sich ein Gespräch lohnt.

Der größte Anschluss ist selten die beste Lösung. Meist ist es der, der zum Haus passt. — Martin Hartinger

Häufige Fragen

Wie viel Leistung hat ein Hausanschluss mit 35 oder 63 Ampere?

Dreiphasig gerechnet liefert 35 Ampere etwa 24 Kilowatt, 50 Ampere etwa 35 Kilowatt und 63 Ampere etwa 43 Kilowatt. Davon ist nicht alles gleichzeitig nutzbar, weil der Haushalt eine Grundlast mitbringt.

Brauche ich einen größeren Hausanschluss für Wallbox und Wärmepumpe?

Selten. In den meisten Fällen genügt ein Lastmanagement, das die Wallbox drosselt, wenn Herd oder Wärmepumpe viel Strom ziehen. Einen größeren Anschluss braucht, wer dauerhaft mehr gleichzeitig nutzen will, als der Anschluss hergibt.

Was kostet ein Lastmanagement für die Wallbox?

Ein statisches Lastmanagement, das die Wallbox auf einen festen Wert begrenzt, ist meist ohne Aufpreis möglich. Ein dynamisches mit Messung am Hausanschluss kostet zusätzlich etwa 300 bis 800 Euro.

Wo steht, wie groß mein Hausanschluss ist?

Auf dem Hausanschlusskasten oder im Zählerschrank bei der Hauptsicherung, in Ampere. Alternativ im Anschlussnutzungsvertrag oder auf Anfrage beim Netzbetreiber.

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