Wallbox: 11 oder 22 Kilowatt, was Sie wirklich brauchen
Martin Hartinger ·
Im Frühjahr rief mich ein Kunde aus Karlsfeld an. Sein Händler hatte ihm zur 22-Kilowatt-Wallbox geraten, „damit man schneller lädt“. Ich habe ihn gefragt, welches Auto er fährt. Es war ein Modell, das an Wechselstrom mit maximal 11 Kilowatt lädt. Er hätte für die doppelte Leistung bezahlt und nichts davon gemerkt.
Das ist keine Ausnahme. Es ist die Frage, die wir am häufigsten zur Wallbox gestellt bekommen. Hier die Antwort, die wir ihm gegeben haben.
Welche Ladeleistung nimmt mein Auto überhaupt auf?
Die Grenze setzt nicht die Wallbox, sondern das Ladegerät im Auto, der sogenannte Onboard-Lader. Zu Hause laden Sie mit Wechselstrom (AC), das Auto wandelt ihn selbst in Gleichstrom für den Akku. Wie viel das Auto dabei aufnimmt, steht im Datenblatt unter „AC-Ladeleistung“ oder im Fahrzeugschein-Anhang des Herstellers.
Als Faustregel für Neuwagen in Europa gilt:
- 11 kW bei der Mehrzahl der aktuellen Modelle
- 7,4 kW bei einigen kleineren Modellen und älteren Fahrzeugen
- 22 kW bei wenigen Ausnahmen, etwa dem Renault Zoe oder dem smart EQ mit Zusatzlader
Wenn Ihr Auto elf Kilowatt nimmt, lädt es an einer 22-kW-Wallbox genauso schnell wie an einer 11-kW-Wallbox. Der Rest der Leistung wird nicht abgerufen.
Wie lange dauert das Laden wirklich?
Rechnen Sie mit dem Beispiel eines Akkus mit 60 Kilowattstunden, geladen von 20 auf 80 Prozent. Das sind 36 Kilowattstunden. Mit etwa zehn Prozent Ladeverlusten ergibt das:
| Ladeleistung | Dauer 20 auf 80 % | Typischer Anlass |
|---|---|---|
| 2,3 kW (Haushaltssteckdose) | gut 17 Stunden | Notlösung, nicht dauerhaft |
| 3,7 kW | etwa 11 Stunden | Wallbox mit Begrenzung |
| 7,4 kW | etwa 5,5 Stunden | Auto mit 7,4-kW-Lader |
| 11 kW | etwa 3,7 Stunden | Standard |
| 22 kW | etwa 3,7 Stunden, wenn das Auto nur 11 kW nimmt | nur sinnvoll bei 22-kW-Fahrzeug |
Wichtiger als die Stunden ist die Frage, wann das Auto steht. Wer abends um sechs ankommt und morgens um sieben fährt, hat 13 Stunden. Selbst 3,7 kW füllen in dieser Zeit einen Akku zu 80 Prozent. Die Zeit ist selten der Engpass, eher die Leistung, die das Haus insgesamt hergibt (dazu mehr im Beitrag Reicht mein Hausanschluss?).
Was spricht gegen 22 Kilowatt?
Drei Dinge, die Ihr Angebot teurer machen, ohne dass Sie etwas davon haben:
- Genehmigung statt Anmeldung. Wallboxen bis 12 Kilovoltampere melden wir beim Netzbetreiber an. Darüber brauchen wir seine Zustimmung. Das dauert länger, und manche Netzbetreiber verweigern sie in schwachen Netzgebieten.
- Dickere Zuleitung. Für 22 kW legen wir in der Regel ein Kabel mit zehn Quadratmillimetern pro Ader statt sechs. Bei 20 Metern Leitungsweg sind das mehrere hundert Euro Materialunterschied.
- Schwerer zu steuern. Je höher die Leistung, desto öfter greift das Lastmanagement ein oder der Netzbetreiber drosselt. Der Vorteil von 22 kW verschwindet im Alltag.
Wann sind 22 Kilowatt sinnvoll?
Es gibt Fälle, und wir bauen dann auch 22 kW:
- Sie fahren ein Fahrzeug, das 22 kW AC aufnimmt, und fahren täglich lange Strecken mit kurzen Standzeiten.
- Sie haben mehrere Fahrzeuge und teilen sich eine Wallbox über ein Lastmanagement.
- Sie nutzen die Wallbox gewerblich und laden Kundenfahrzeuge.
Für ein privates Einfamilienhaus mit einem oder zwei Autos treffen diese Fälle selten zu.
Was heißt „steuerbare Verbrauchseinrichtung“ für meine Wallbox?
Seit dem 1. Januar 2024 gelten neue Wallboxen mit mehr als 4,2 Kilowatt als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes. Das bedeutet: Der Netzbetreiber darf Ihre Ladeleistung bei Netzengpässen zeitweise absenken, aber nie unter 4,2 Kilowatt. Im Gegenzug zahlen Sie weniger Netzentgelt. Welches Modell für Sie gilt, teilt der Netzbetreiber bei der Anmeldung mit.
Praktisch bedeutet das: Ihr Auto lädt über Nacht in jedem Fall voll. Selbst bei Dauerdrosselung auf 4,2 kW sind es in zehn Stunden 42 Kilowattstunden.
Meine Empfehlung
Elf Kilowatt, Anmeldung beim Netzbetreiber, eine Wallbox mit integrierter Gleichstromfehlererkennung und, wenn Sie eine Photovoltaikanlage haben, mit Überschussladen. Wer sicher gehen will, lässt beim ersten Verlegen eine stärkere Leitung einziehen. Das kostet einmalig wenig und erspart später eine geöffnete Wand.
Und wenn jemand Ihnen 22 Kilowatt verkaufen will: Fragen Sie nach der AC-Ladeleistung Ihres Autos. Die Antwort entscheidet, nicht der Prospekt.
Fragen Sie nicht, wie viel Leistung die Wallbox hat. Fragen Sie, wie viel das Auto nimmt. — Martin Hartinger
Häufige Fragen
Lädt mein Auto mit 22 kW schneller als mit 11 kW?
Nur, wenn das Auto 22 kW aufnehmen kann. Das Ladegerät im Fahrzeug (der Onboard-Lader) bestimmt die Grenze. Die meisten Modelle schaffen 11 kW, manche 7,4 kW. Im Datenblatt steht das unter AC-Ladeleistung.
Muss ich eine 11-kW-Wallbox genehmigen lassen?
Nein, aber anmelden. Wallboxen bis 12 kVA melden wir vor der Installation beim Netzbetreiber an. Größere Anlagen, also 22 kW, brauchen seine Zustimmung.
Wie lange dauert es, ein Elektroauto mit einer 11-kW-Wallbox zu laden?
Von 20 auf 80 Prozent bei einem Akku mit 60 Kilowattstunden etwa dreieinhalb bis vier Stunden. Über Nacht ist das Auto immer voll.
Kann ich später von 11 auf 22 kW erweitern?
Ja, wenn die Zuleitung dafür ausgelegt ist. Wir legen auf Wunsch gleich eine stärkere Leitung, das kostet beim ersten Verlegen wenig und erspart später die Wand.